Internationaler Anti-Diät-Tag 2019

Iss doch endlich wieder entspannt!

Der 6. Mai ist für mich einer der wichtigsten Tage im Jahr. Der Tag wurde 1992 als Internationaler Anti-Diät-Tag (International No Diet Day) von der britischen Autorin und Aktionistin Mary Evans Young initiiert. Das Abwenden vom Diätwahn war ihr eine Herzensangelegenheit: Sie litt selbst lange genug an Magersucht und wollte andere Frauen dabei unterstützen, endlich wieder normal zu essen.

Der Bedarf an diesem Tag ist groß:

  • 92% der deutschen Frauen sind unzufrieden mit ihrem Körper.
  • 90% aller Diäten scheitern.
  • 83% nehmen nach einer Diät innerhalb von zwei Jahren mehr zu als sie abgenommen hatten.
  • Diäten führen zu einem angespannten Essverhalten.
  • Orthorexie, die übermäßige Beschäftigung mit der Qualität von Lebensmitteln ist auf dem Vormarsch.
  • Essen dient als Trost und Ersatzbefriedigung.

Wir verwenden unsäglich viel Zeit darauf, uns zu mit anderen zu vergleich, einem (fiktiven) Schönheitsideal hinterher zu hecheln, das uns Soziale Medien, Zeitschriften und die Werbeindustrie vorsetzen. Wir essen nur nach unserem Kopf – er bestimmt, wie viel wovon wann in die Futterluke reindarf und vor allem, was nicht.

Wir sind einer ständigen Rundumbeschallung ausgesetzt, was denn nun gesund und was ungesund für uns wäre und welchen Lifestyle wir zu verfolgen hätten, um schön und glücklich zu werden.

Gesunde Ernährung?

Wissenschaftler, die sich damit beschäftigen, Studien auf ihre Aussagekraft, Relevanz und Seriösität zu untersuchen, haben herausgefunden, dass es keinen einzigen Beweis dafür gibt, was denn nun eine gesunde Ernährung ausmacht. Dabei werden tagtäglich 250 neue Ernährungsstudien veröffentlicht.

„Es gibt keine Beweise für gesunde Ernährung […]. Die Märchenstunde von schlank-machendem Essen, das vor Krankheiten und Alterung schützt ist endgültig vorbei.“

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop

Die Studien widersprechen sich ja sogar in Abhängigkeit vom gewünschten Ergebnis, aber auch in Abhängigkeit vom Sponsor der Untersuchungen. Die meisten dubiosen Ernährungsstudien stammen übrigens aus den USA.

Jede is(s)t anders

Ernährung ist aber auch unendlich individuell. Vorausgesetzt, du bist kein eineiiger Zwilling, gibt es im gesamten Universum nur ein einziges Individuum, mit deinem Chromosomenbausatz – dich. Du bist absolut einzigartig!

„Was diese Konzepte [Diäten] allerdings zu 99% außer Acht lassen, ist die Frage, wie das, was wir da essen sollen, uns überhaupt bekommt.“

Ernährungswissenschaftler Thomas Frankenbach

So einzigartig ist auch das, was dir gut tut. Nur dein Körper kann dir sagen, was dir bekommt und was nicht. Er zeigt dir, wann er mit Nahrung versorgt werden will und wann es genug ist. So pendelt er sich auf dem für dich genetisch bestimmten Idealgewicht ein.

Aufruf zu mehr Selbstliebe und Akzeptanz

Mary Evans Young kämpft seit 1992 vehement dafür, dass Frauen sich endlich aus der quälenden Diätspirale befreien.

Internationaler Anti-Diät-Tag – dazu dient er:

  • die Vielfalt von natürlichen Größen- und Gewichtsunterschieden zu würdigen,
  • Schönheitsideale kritisch zu hinterfragen,
  • Aktionen gegen Diskriminierung von Übergewichtigen und Fettsüchtigen zu setzen,
  • Aufklärungsarbeit zu den physischen und psychischen Gesundheitsgefahren und zur Unwirksamkeit von Diäten und Diätprodukten zu leisten,
  • einen Zusammenhang zwischen Diäten und Gewalt gegen Frauen aufzuzeigen,
  • den Opfern der Adipositaschirurgie zu gedenken.

Lasst uns also an diesem Tag innehalten und tief in uns hineinspüren.
Esst wenigstens einen Tag lang achtsam und bewusst das, worauf ihr wirklich Hunger habt.
Betrachtet euch zumindest an diesem einen Tag im Spiegel und sagt euch: „Ich liebe dich!“

Quellen:
American Journal of Public Health
Deutsche Ärztezeitung
Contemporary Food Lab
Journal Psychological Science
Journal American Psychologist
British Medical Journal


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